Der Rothirsch und der Winter

written on 14/12/2020
by Konrad Funk


Der Rothirsch kommt in fast allen deutschen Nationalparks vor, von Süd bis Nord.

Er lebt in den Bergfichtenwäldern mit Höhenlagen bis an die Baumgrenze im Nationalpark Berchtesgaden, an der Ostsee und auch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Vom Aussterben bedroht  ist der „König des Waldes“ also nicht. Dennoch wird sein Lebensraum zunehmend eingeschränkt.



Rotwildmütter bekommen meist nur ein Kalb, zwei sind eine Ausnahme.

Seit ewigen Zeiten steht der Rothirsch zwischen den Fronten von Jägern, Landwirten und Förstern.

Das einstige Steppentier, das im Offenland lebte und Wiesen braucht, wurde vom Menschen in den Wald zurück gedrängt. 



Ein ganz junges Hirschkalb - bitte im Wald belassen - die Mutter ist nicht weit weg.

Im Hunsrück kam der Rothirsch immer schon vor, im Nationalpark Hunsrück-Hochwald geht es ihm nicht schlecht.

Hier gibt es wie in allen deutschen Nationalparks ein Wildtiermanagement, das laut Staatsvertrag Schäden in den umliegenden Forsten und in der Landwirtschaft abhalten soll. 



Ein mit Sender versehenes Hirschkalb dient der Telemetrieforschung und berichtet so ständig über seinen Aufenthaltsort.

Die angemessene und wissenschaftlich begleitete Wildtierregulierung zielt aber nicht auf entgeltliche Trophäenabschüsse, sondern eher auf weibliches Wild – das letztendlich den Zuwachs ausmacht.

Im Nationalpark können Hirsche also richtig alt werden.



Hirsche suchen wie Schwarzwild gerne Suhlen auf. Hier verschafft sich ein Hirsch Abkühlung in hitziger Brunft an warmen Septembertagen.

Ob sie immer in den Grenzen des Nationalparks verbleiben, oder ob sie am Ende nicht doch abwandern, kann noch niemand sagen.

Rotwild lebt nicht territorial wie unser Rehwild, es wandert sehr viel stärker. 



Im Bast, der Wachstumsphase des Geweihs, prahlt der Hirsch mächtig mit demselbigen. Jetzt braucht er reichlich Nahrung.

Und wo die Reise hingeht das bestimmen allemal die Damen, genau gesagt das älteste und erfahrenste Alttier eines Rudels.

Im Rudel kommen meist nur weibliche Tiere vor, dies sind die Alttiere (Muttertiere), Schmaltiere (einjährige weibliche Tiere) und Kälber. 



Im März, dem Hornungsmonat werfen die Hirsche Ihr Geweih ab. Im Sommer wächst es bei reichlich Nahrungsaufnahme schnell wieder heran. Mäuse lassen von den wertvollen Mineralien nichts übrig.

Vom weiblichen Wild getrennt und in reinen Hirschrudeln ziehen dagegen die älteren Hirsche ihre Fährte bis hin zur Brunft Ende September.



Im Winter findet Rotwild in den Althölzern Bucheckern und Eichel.


Schmalspießer im Winter.​

 Winter im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Wer im Saarland oder in Rheinland-Pfalz im Zeitalter der Klimaerwärmung noch einen echten Winter erleben möchte, der kann dies im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, auf den Höhenlagen und rund um die mit 816 m über NN höchste Erhebung, den Erbeskopf, tun.

Bereits im November, wenn nach tagelangem Nebel der Wind auf Ost dreht und messerscharf über die Höhenagen pfeift, hält der Winter Einzug. An Fichten und Buchen, die den Nebel auskämmen, bilden sich anfangs winzige Eiskristalle. Als Raureif oder „Duftanhang“ wird diese Erscheinung von Förstern bezeichnet.

Hält diese Witterung längere Zeit an, können die Kristalle bis zu mehreren Zentimeter mächtig werden. Gewaltig ist das Gewicht, das nun auf den Bäumen lastet. Kein Baum und Strauch wagt sich jetzt mehr zu bewegen. Bei stärkeren Windböen würden die Kronen brechen.

Filigran ist der Überzug und unterstützt optisch die Schönheit des Gezweigs. Kommt noch Schneefall hinzu, verschwinden wieder viele Konturen unter der mächtigen Schneedecke. Verworrenes wird wie mit einem großen Laken zugedeckt.

Große Flächen kommen zur inneren Ruhe, Stille kehrt ein. 

 



Makellos präsentieren sich die Hügel der Borstgrasrasen bei Thraneweier. Die Moore fallen in einen Tiefschlaf. Kaum eine Spur, kaum eine Fährte zeichnet sich hier ab.

Wildtiere haushalten mit ihren Reserven, sie stellen ihre Aktivitäten ein und bleiben gerne in der schützenden Dickung. Knospenkost ist angesagt, von „Konzentratselektierern“ (Feinschmeckern) spricht man beim Rehwild, und gerade in den Knospen findet sich eine enorme Ansammlung von Nährstoffen.

Die Traun friert an den Ufern zu, Eiszapfen bilden sich an ihrem Überhang, und in manchen Jahren kann der Winter bis in den März anhalten.